Steherrennen sind Bahnrennen, bei denen der Radsportler (der Steher) hinter einem schweren Motorrad im Windschatten faehrt. Der Fahrer des Motorrades, hier Schrittmacher genannt, steht auf den Fussrasten der Maschine. Dabei werden Geschwindigkeiten von teilweise ueber 100 km/h erzielt und auch ueber laengere Abschnitte gehalten. Steherrennen gehen ueber Distanzen bis zu 100 Kilometern. Sie ziehen immer noch eine bedeutende Zahl von Zuschauern an. Zwar ist die Zuschauerresonanz nicht mehr so gross wie vor zwanzig oder dreissig Jahren, dennoch faszinieren sie immer noch viele Menschen.
Die Radfahrer sind in keiner Weise mit dem Schrittmacher verbunden. Ihre Fortbewegung erfolgt ausschliesslich durch ihre Beinarbeit. Dadurch gehoeren Steherrennen zu einer der schwersten Leistungssportarten. Der Fahrer versucht dabei, moeglichst nahe an der Rolle des vor ihm fahrenden Schrittmacher-Motorrades zu bleiben, um moeglichst viel Windschatten zu erhalten. Verliert er den engen Kontakt zum Schrittmacher, so kommt der Fahrer "von der Rolle".
Herkunft und Entwicklung
Der Begriff "Steher" leitet sich vom englischen "stayer" ab, d. h. jemand mit Ausdauer ("to stay" - anhalten, bleiben). Die frueher uebliche deutsche Entsprechung "Dauerrennen" weist auf denselben Umstand hin. In der Fruehzeit dieser Sportart, als die Kraftradtechnik noch nicht so ausgereift war, fuhren statt der Motorraeder uebrigens auch Fahrraeder als Schrittmacher, und zwar spezielle Vierer- oder Sechserraeder mit entsprechend viel Besatzung. Dabei ging es zunaechst weniger um Rennen gegeneinander als um Rekorde:
Geschwindigkeiten, Zeit pro Strecke und Strecke pro Zeit - oft ueber sehr lange Distanzen (100 Kilometer unterste Grenze) und Zeiten (24 Stunden und mehr), so dass "to stay" bzw. "Dauerfahren" tatsaechlich woertlich genommen werden konnte.
Vor mehreren Jahren wurde die Trennung zwischen Profi- und Amateurstehern abgeschafft. Durch die neu geschaffene Elite-Klasse kam es zur Vermengung von Profis und Amateuren. Daher muessen die Amateure auf hoechstem Profi-Level fahren, um international bestehen zu koennen.
Seit 1994 finden keine Steher-Weltmeisterschaften mehr statt. Die UCI begruendete die damalige Entscheidung damit, dass es zu wenige Steher-Nationen fuer eine Weltmeisterschaft gaebe. Tatsaechlich waren die Steherrennen meist eine Sache zwischen wenigen westeuropaeischen Nationen. Der letzte Weltmeister war der Berliner Carsten Podlesch, welcher seitdem das Weltmeister-Trikot tragen darf.
Motorraeder fuer Steherrennen
Die Motorraeder fuer Steherrennen sind meistens von aelterem Baujahr. Die Maschinen weisen etliche besondere Eigenschaften aus:
Sie haben einen grossvolumigen, meist einzylindrigen, niedertourigen Motor mit einem in der Halle tendenziell eher ertraeglichen, tiefen Klangbild.
Die Drehmoment- Charakteristik des Motors erlaubt schnelles Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen. Die Lenker sind als Stangen weit nach hinten verlaengert, um durch eine aufrechte Sitzposition einen bestmoeglichen Windschatten zu ermoeglichen. Am Heck der Maschine ist eine breite kugelgelagerte Rolle als Abstandshalter angebracht. Der Radrennfahrer sollte den Radkontakt mit der Rolle - auch den kurzzeitigen Kontakt - unbedingt meiden, da es wegen der doppelten Bremswirkung dabei leicht zu Stuerzen kommen kann.
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